These 3
Viele offene Fragen lassen sich vor dem Bauen klären
Der naheliegende Einwand gegen tiefere Discovery lautet: Wir könnten einfach sehr viel bauen und in Produktion lernen was funktioniert. Agentische Entwicklung macht das verlockend: Wenn Bauen billig ist, warum nicht einfach alles ausprobieren?
Dieser Einwand setzt voraus, dass die relevante Unsicherheit ausschließlich auf Lösungs-Ebene liegt: Welche Lösung funktioniert? Aber viele der riskantesten Annahmen liegen früher, im Opportunitätsraum. Ist das Problem real? Leiden genug Menschen darunter? Ist es relevant genug dass sie etwas dagegen tun würden?
Diese Fragen lassen sich durch kein gebautes Feature beantworten. Man kann agentisch in wenigen Stunden eine Lösung generieren und danach genauso wenig über die zugrundeliegende Opportunität wissen wie vorher. Man hat die Machbarkeit demonstriert, aber nicht ob die Opportunität existiert.
Der naheliegende Gegeneinwand: In Produktion sieht man doch ob das Feature genutzt wird, und das sagt einem ob die Annahmen zur Erwünschtheit zutreffen. Aber Nutzungsmetriken sind dafür ein zu undifferenziertes Signal. Wenn ein Feature nicht genutzt wird, kann das an fehlender Erwünschtheit liegen, oder an schlechter Usability, mangelnder Auffindbarkeit, oder daran dass Nutzer einen eingeübten Workaround nicht aufgeben wollen. Wenn es genutzt wird, könnte das Neugier sein, ein einzelner Power User, oder eine Nutzung für einen ganz anderen Zweck als gedacht. Man hat ein konfundiertes Signal und muss rückwärts erschließen was eigentlich die Ursache ist. Ein kurzes Gespräch vor dem Bauen hätte die Frage direkter und günstiger beantwortet.
Ob eine Opportunität existiert und wie wichtig sie ist, lässt sich durch kontinuierliche Interviews und den Vergleich von Opportunitäten klären, nicht durch das Testen von Lösungen. Auch auf Lösungsebene lässt sich die Frage nach der Erwünschtheit oft durch ein Gespräch, eine Beobachtung oder einen Fake-Door-Test beantworten. Das kostet Stunden, keine Sprints. Wer das überspringt und direkt baut, validiert die falschen Dinge, nur schneller.
Usability- und Machbarkeits-Annahmen lassen sich durch Prototyping oder direktes Bauen oft günstiger validieren als durch Interviews. Agentische Entwicklung senkt diese Schwelle weiter. Schnelle Prototypen werden billiger, der Zyklus zwischen Bauen und Lernen kürzer. Das ist eine echte Verschiebung.
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Hintergrund
Das Agentic Trio ist ein Ansatz von Daniel Westheide und Fabian Walther bei INNOQ. Mehr zum Hintergrund oder direkt Kontakt aufnehmen.